Führerscheinprüfung und die Fahrt nach Xi’an

Liebe Leser,

Heute möchte ich über die chinesische Führerscheinprüfung und eine holprige Fahrt nach Xi’an am Chinesischen Sylvesterabend berichten.

Ausländische Führerscheine, auch internationale, sind in China leider nicht gültig. Da wir aber auch hier Auto (und vielleicht auch Motorrad) fahren wollen, mussten wir unsere Schweizer Führerscheine umschreiben lassen. Also ging es am Dienstag in der vorherigen Woche erst mal zur Verkehrsbehörde. Shanghai hat für ausländische Antragsteller sogar eigene, englischsprachige Schalter, der Ablauf ist aber eher typisch chinesisch. Nach der Anmeldung muss zum ersten Mal eine Gebühr bezahlt werden, dann werden Fotos erstellt, dann wieder zum Zahlen anstellen, und danach gibt es eine Gesundheitsprüfung. Die mutet recht umfangreich an, da neben Seh- und Hörtests zum Beispiel auch die Muskelkraft in Hand und Beinen gemessen wird und sogar ein “EKG” aufgenommen wird, interessanterweise aber ohne Herzelektroden (im EKG-anfertigen kenne ich mich durch meinen Herzfehler leider gut aus). Es bleibt der Verdacht, dass der Health-Check im Wesentlichen wegen der Show oder Gebühr durchgeführt wird, da Mifang den Sehtest ohne Brille bestanden hat. Dafür musste bei ihr das Foto dreimal aufgenommen werden, bis endlich beide Ohren zu sehen waren.

Als nächstes haben wir uns auf die Theorieprüfung vorbereitet. Das ist ein Multiple-Choice-Test, bei dem in 45 Minuten mindestens 90 von 100 Fragen richtig beantwortet werden müssen. Den Test kann man in Englisch oder sogar in Deutsch durchführen, wobei aber die Qualität der Übersetzung eine zusätzliche Hürde darstellt. Auch sind die Antworten oft mehrdeutig und nicht immer logisch. Und letztendlich sind einige Verkehrsregeln auch ganz verschieden von den in Europa üblichen. Als Beispiel mögen hier die Gesten von Verkehrspolizisten gelten, die wirklich alles andere als intuitiv sind. Wer Spaß daran hat, kann hier den vollen Test ausprobieren: http://www.chinese-driving-test.com/. Einige Kostproben (aus dem Link kopiert) gefällig? Die richtigen Antworten stehen ganz am Ende des Beitrages. Viel Erfolg!

1 When driving on icy and snowy roads, the maximum speed should not exceed how much?
a 50 km/hour
b 20 km/hour
c 40 km/hour
d 30 km/hour

2 The traffic police may detain the motorized vehicle according to law in which situation?
a Not carrying the vehicle registration papers
b Not having the label of insurance
c Not carrying mandatory traffic accident insurance
d Not having the label of environmental protection

3 When a driver driving a vehicle at night passes a crosswalk he needs to use the high and low beam lights alternately.
a right
b wrong

4 The test permit for driving skills is valid for how long?
a 2 years
b 1 year
c 4 years
d 3 years

5 When a motorized vehicle runs on the expressway in weather conditions with a visibility range of less than 50 meters, the speed should not exceed 20 km/hour and what else should be done?
a Enter the emergency lane
b Leave the expressway as soon as possible
c Drive at a low speed on the road shoulder
d Stop at the roadside

6 What does this sign mean?
Chinese_traffic_sign
a ETC passage
b Stop to collect parking ticket
c Pay parking fee
d Stop for inspection

7 Before entering a level crossing, the vehicle should reduce speed and change to a lower gear, and after entering the level crossing what should the driver do?
a Stop and look
b Cannot change gear
c Can change gear
d Can change to a higher gear

8 What does the vehicle dashboard light in the picture mean?
Dashboardlight
a Head fog light open
b High beam light open
c Low beam light open
d Tail fog light open

9 A driver who causes a major accident in violation of traffic regulations and has run away, which has caused human death, is subject to a prison term of how many years?
a Less than 7 years
b Less than 3 years
c More than 7 years
d Less than 2 years

10 When overtaking on a mountain road, how should the vehicle overtake?
a By selecting a wide gentle uphill section
b By selecting a relatively gentle downhill section
c By taking every possible chance
d By selecting a fairly long downhill section

Nach einem ersten Übungstest im Internet war schnell klar, dass wir das Wochenende besser zum Lernen nutzen sollten. Das hat sich dann auch gelohnt, wir am Montag danach beide mit 97% bestanden und konnten, nach einer weiteren Gebühr, unsere frischen Führerscheine in Empfang nehmen. Eine praktische Fahrprüfung braucht man nämlich beim Umschreiben eines ausländischen Führerscheins nicht. Ich möchte aber zumindest noch erwähnen, dass die gelernten Verkehrsregeln mit der Realität im chinesischen Straßenverkehr fast nicht zu tun haben.

Mit den neuen Führerscheinen sind wir dann zusammen mit Mifang’s Schwester und ihrem Auto zwei Tage später nach Xi’an zu Mifangs Eltern gestartet. Das sind 1400 km einfache Strecke, fast alles auf gut ausgebauten Autobahnen, die in ca. 15 Stunden zu bewältigen sind. Gestartet sind wir am Mittag des Sylvestertags nach dem Mondkalender, der in China den Beginn von 7 arbeitsfreien Tagen einläutet. In Wirklichkeit sind es nur 5 freie Tage, da vor und nach dem Neujahr jeweils ein Wochenendtag zur Kompensation gearbeitet wird. Während der Feiertagsperiode wurden sogar keine Autobahngebühren kassiert, um so erstaunlicher ist es da, dass die Straßen praktisch leer waren. Das Zusammensein mit den Familien an Sylvester und Neujahr geht halt doch vor! Für uns hatte das den Vorteil, dass wir schnell voran kamen und während der Fahrt überall Feuerwerk beobachten konnten. Leider hatte die Fahrt aber nach 1000 km kurz vor Mitternacht in der Henan-Provinz ein jähes Ende, da ich zwei auf der Straße liegenden Steinen nicht mehr ausweichen konnte und einer davon die Benzinleitung abgerissen hat. Glücklicherweise hat das Auto kein Feuer gefangen und wir konnten auf dem Standstreifen anhalten. Dank Führerscheintest wusste ich auch, wie weit entfernt das Warndreieck aufgestellt werden muss, nämlich mindestens 150 m hinter dem Auto. Eine Stunde nach dem Telefonat mit der Polizei kam dann ein Abschleppdienst und hat uns in die nächste Kleinstadt gefahren, wo wir in einem schmutzigen und ungeheizten Hotel wenigstens ein paar Stunden schlafen konnten. Am nächsten Tag wurde das Auto in einer Werkstatt provisorisch repariert, d.h. eine Benzinleitung aus einem Schrottfahrzeug einer anderen Marke zurechtgebogen, mit Schlauchklemmen verbunden und ein paar Drähten befestigt, und wir konnten die Fahrt fortsetzen. Die zwei Tage bei Mifang’s Eltern waren dann um so schöner und wir sind auch wieder heil nach Shanghai zurückgekommen.

Hier sind noch die richtigen Antworten zum Führerscheintest: 1d, 2b, 3a, 4d, 5b, 6b, 7b, 8a, 9c, 10a. Eine Frage falsch wäre gerade noch bestanden, 2 Fragen falsch klar durchgefallen. Ich gebe aber zu, dass die 10 Beispielfragen gemein ausgewählt sind.

In Shanghai angekommen

Nach den ersten drei Monaten in Shanghai sollte ich mich mal wieder melden. Viel freie Zeit hatten wir nicht bisher. Nach der Anreise stand erst mal die Uebergabe von meinem Vorgaenger an, das hiess dann zwei Wochen Reise durch China und Japan mit vielen Abschieds- und Willkommensdinnern. Wie es hier so ueblich ist, waren dabei die nichtalkoholischen Getraenke nur wenig gefragt. Auch danach war mein Terminkalender mit Besprechungen, Telefonkonferenzen und Besuchern gut gefuellt, gearbeitet wird zwischendurch, abends und am Wochenende. Um mal was von Shanghai zu sehen, hat die Zeit bisher noch nicht gereicht, aber das Jahr hat ja auch erst angefangen. Immerhin haben wir sofort eine schoene Wohnung gefunden, etwa auf halbem Weg zwischen Buero und Stadtzentrum. Es ist eine Apartmentwohnung im 6. Stock eines immerhin 30-stoeckigen Compounds. “Yanlord Riverside Apartments” heisst das Wohnquartier, wenn jemand mal im Internet nachsehen moechte. Die Anlage hat viel Gruenflaeche, ein Sportcenter, einen kleinen Shop und ein Restaurant und sogar ein Schwimmbad. Unser Zuhause ist eine schoene 4-Zimmer-Wohnung mit grossem Balkon. Sieht alles erst mal gut aus, hat aber die typischen chinesischen Bauqualitaetsprobleme. Ausserdem ist die Internetverbindung extrem lahm, am Abend erreicht unser “High Speed Internet” bestenfalls die Geschwindigkeit eines alten Telefonmodems, wenn nicht sogar eines Akkustikkopplers (Kennt das noch jemand?). An Weihnachten waren wir in Deutschland bei meinen Eltern und haben auf dem Rueckflug endlich meinen Computer und Homeserver, beides in Einzelteile zerlegt, mitgebracht. Das war dann auch unser persoenlicher Gepaeckmengenrekord, zu zweit 150 kg in 4 Koffern und 4 Handgepaeckstuecken. Beim Umzugs-Flug mit Turkish Air im Oktober hatten wir naemlich “nur” 125 kg dabei. Jetzt nutze ich gerade eine Dienstreise von Mifang, um alles zusammenzubauen, neu zu konfigurieren und zu testen (wobei die langsame Netzwerkverbindung nicht gerade hilft). Das wars erst mal fuer heute, vielleicht melde ich mich mal um das Chinesische Neujahrsfest in ein paar Wochen.

China – Again

Hallo zusammen,

Seit zwei Wochen steht es fest: Es verschlägt uns beruflich das zweite Mal nach China. Am 1. Oktober werden wir für voraussichtlich vier Jahre nach Shanghai ziehen. Ich werde dort die Stelle des Produktionsleiters der Region Asien für die Business Unit Pigmente übernehmen. Für mich bedeutet das nach drei Jahren Unterbrechung die Rückkehr zu Farbpigmenten und nach 11 Jahren eine Neuauflage von China. Meine Aufgabe dort beinhaltet die Verantwortung für Produktionsstätten und Projekte an einigen Standorten in China (Hangzhou, Dagang bei Tianjin, Zhenjiang, Wuxi, Yixing, Xinyi) sowie Japan (Shizuoka), Indonesien (Tangerang) und Thailand (Bangpoo); Indien und der mittlere Osten gehören in der BU Pigmente nicht zur Region Asien. Für Mifang wird derzeit noch eine Stelle in Shanghai gesucht. Anfang August werden wir schon mal einen Besuch in China abstatten, um eine Bleibe zu finden; natürlich mit schönem Gästezimmer! Unser Haus in der Schweiz wollen wir verkaufen. Trotz der Vorfreude auf China beginnen wir allerdings jetzt schon, die Annehmlichkeiten in der Schweiz zu vermissen. Insbesondere wird uns die naturnahe Wohnlage fehlen, die Nähe zu den Bergen und nicht zuletzt die klare und frische Luft hier.

Reha

Hallo zusammen,

nach fast drei Wochen möchte ich aus der Reha berichten. Die Sozialberaterin im Klinikum Basel hat mir die Rehaklinik in Seewis im Prättigau (Kanton Graubünden) empfohlen, und ich muss sagen, das ist ein Volltreffer. Es ist eine kleine Reha mit nur 70 Patienten, aber 80 Angestellten, die auf Herzerkrankungen spezialisiert ist. Das Positive beginnt schon mit der Lage, denn Seewis liegt hoch über einem Tal auf 950 m Höhe mit Blick ins Tal und auf die Berge (Schesaplana, 2964m, 2m höher als die Zugspitze). Die Klinik ist schön in einem ehemaligen Kurhaus untergebracht. Das erste, was auffällt, ist die grosse Freundlichkeit des Personals, und das Feeling erinnert eher an ein Hotel als an eine Klinik, obwohl hier auch medizinisch viel gemacht werden kann. Bemerkenswert finde ich auch, dass das Essen exzellent ist, obwohl man sich hier an die Ernährungspyramide hält, z.B. 5 mal am Tag Obst und Gemüse und nur ganz wenig Fett. Trotzdem schmeckt es wirklich gut, und dazu trägt bestimmt bei, dass es mittags und abends vor dem Hauptgericht auch immer ein Salatbuffet gibt. Wer will, kann auch Wein zum Essen bestellen, aber das lasse ich erst mal wegen der Leberbelastung durch die Operation und die Antibiotika.

Die erste halbe Woche war bei mir noch durch medizinische Untersuchungen und Antibiotikabehandlung dominiert (Infusion alle 8 Stunden, auch um Mitternacht). Danach trat das Sportprogramm in den Vordergrund. Als Beispiel zeige ich mal mein Tagesprogramm für morgen:
7:30 – 8:00 Uhr        Frühstück
8:25 – 9:00 Uhr        Turnen
9:25 – 10:00 Uhr      Velotraining
10:00 – 10:20 Uhr    Ärztliche Sprechstunde
11:00 – 11:40 Uhr    Wassergymnastik
12:00 – 13:00 Uhr    Mittagessen
14:00 – 16:30 Uhr    Wandern (freitags mit 30 Minuten Einkehr im Gasthaus Fadära)
17:10 – 17:40 Uhr    Vortrag “Fett”
18:00 – 19:00 Uhr    Abendessen
An anderen Tagen kommen noch verschiedene medizinische Checks und das Entspannungstraining dazu. Jeden Mittwoch gibt es einen Ausflug.

In der ersten Rehawoche war Mifang zusammen mit mir hier und konnte mich z.B. auf den Wanderungen begleiten. Wir hatten Glück, dass es in dieser Woche noch sonnig und über 20° warm war, auf der Terasse hat man schon einen Sonnenschirm gebraucht. Danach hat mich Mifang noch an den Wochenenden besucht. Die zweite Woche und erste Hälfte der dritten Woche war vom Wetter her noch ganz brauchbar – Nebel am Vormittag, nachmittags wechselhaft mit Sonne, Wolken und manchmal etwas Regen. Heute ist das Wetter leider gekippt, die Wanderung mussten wir im heftigen Regen bei gleichzeitigem starken und kalten Wind durchführen. Im Moment schneit es sogar ein wenig. Ich freue mich auf den ersten Saunabesuch heute abend.

Meine Kondition macht gute Fortschritte. Die Trainings sind in Gruppen eingeteilt, wobei Gruppe 5 die schwächste (Rollatorgruppe) und 1 die stärkste ist. Die Gruppen 1 und 2 sind allerdings wegen der geringen Teilnehmerzahl von 5-10 zusammengelegt. Ich hatte in der Gruppe 4 angefangen, bin Ende der ersten Woche in die Gruppe 3 gewechselt (Wanderung statt Spaziergang) und vorgestern in die Gruppe 2. Beim Velotraining habe ich mich von 30 auf mittlerweile 75 Watt gesteigert, und das Treppenlaufen konnte ich von 1 auf 4 Stockwerke steigern. In der zweiten Woche hatte ich allerdings einen Leistungseinruch wegen Vorhofflimmern, aber der Arzt hat das mit Betablocker wieder beseitigen können.

Ich werde wohl noch eine Woche hier bleiben und kann am Freitag in der nächsten Woche nach Hause. Vorher werden wir allerdings nochmal zu Fadära wandern und das berühmte Alpschweinkotlett geniesen.

Herzoperation ist gelungen

Etwas später als erwartet melde ich mich mit einem ersten Bericht nach der Operation am Dienstag, den 10. September. Gegen 11:00 Uhr bekam ich eine Beruhigungsspritze, danach war ich noch eine Zeit lang wach und hing meinen Gedanken nach, irgendwann bin ich wohl eingeschlafen und meine nächste Erinnerung – sehr unscharf – sind mehrere Krankenpfleger an meinem Bett, die versuchen, mich zu beruhigen. Dazwischen lag dann die Operation, die ab 14 Uhr etwa 4 Stunden gedauert hat, und bei der mein Körper bis auf 25°C abgekühlt wurde, damit der Ersatz der Aorta bei stehendem Blutkreislauf ohne Schäden durchgeführt werden konnte. Die erste klare Erinnerung ist der Besuch von Mifang am späten Vormittag des 11.9. auf der Intensivstation. Zum Mittagessen konnte ich sogar schon ein paar Salatblätter essen. Schmerzen waren eigentlich nie ein Thema, dafür sorgt schon das auf der Intensivstation gespritzte gute Morphium. Am 12.9. wurde ich schon auf die Normalstation zurückverlegt. Beim ersten Wiegen bin ich erschrocken, dass mein Gewicht von 75 auf 81 kg angestiegen war, was durch Wasser in den Beinen, in der Lunge und sonstwo verursacht wurde. In der Reha wiege ich seit einer Woche übrigens nur noch zwischen 71 und 72 kg.

Am Freitag, den 13.9., bekam ich zunehmend Atemnot, dann auch noch eine Herzrhythmusstörung (Vorhofflimmern). Erst mal wurde hinter dem linken Lungenflügel punktiert und  800 ml Wasser rausgezogen, trotzdem konnte ich immer schlechter atmen. Panik ist sicher ein schlechter Ratgeber, trotzdem verfiel ich in Hyperventilation und war wohl nicht weit davon entfernt, das Bewustsein zu verlieren. Schließlich wurde ich auf die Intensivstation zurückverlegt. Da die Rhythmusstörung nicht auf Medikamente (beta-Blocker) regierte, musste der Herzrhythmus unter Narkose mit einem Stromstoß normalisiert werden (Kardioversion). Da so etwas nach Herzoperationen häufiger vorkommt, werden bei der Operation schon Schrittmacherelektroden fest verlegt und die Drähte durch die Haut nach außen geführt. Ich selbst habe die Verlegung auf die Intensivstation allerding nicht mehr mitbekommen, meine nächste Erinnerung ist, dass ich am nächsten Morgen (14.9.) gegen 4 Uhr etwas desorientiert aufgewacht bin.

Am Sonntag, den 15.9., gab es leider ein paar schlechte Nachrichten. Leber und Niere sind durch Sauerstoffmangel etwas “beleidigt” und außerdem hatte ich eine verdickte und entzündete Gallenblase. Die sollte dann eigentlich noch am Sonntag operativ entfernt werden, aber glücklicherweise entschied der Arzt, es erst einmal mit Antibiotikum-Infusionen zu probieren. Die haben dann auch gewirkt, so dass ich die Gallenblase auch heute noch mein eigen nennen darf.

Am 16.9. bin ich wieder zurück auf die Normalstation (wobei ich mich auf der Intensivstation deutlich besser aufgehoben fühlte). In den nächsten Tagen ging es dann noch etwas auf und ab, unter anderem ein schlecht vertragenes Schlafmittel und erneute Rhythmusstörungen, aber am 18.9. konnte ich das Krankenzimmer erstmals auf eigenen Beinen kurz verlassen und einen “Spaziergang” durch die Station machen. Am nächsten Tag habe ich es schon bis in die Cafeteria geschaft, und noch einen Tag später bis in den Garten. Auch zum ersten Mal wieder Duschen war ein echtes Highlight. Am Samstag, den 21.9., wurde ich aus dem Krankenhaus in die Reha entlassen, über die ich noch separat schreiben werde.

Herzlich bedanken möchte ich mich bei Prof. Dr. Eckstein und dem Operationsteam für das (auch nach Aussage des Arztes in der Reha) sehr gute Ergebnis der Operation und dem Team auf der Intensivstation der Herzchirurgie für die exzellente Betreuung und außerordentliche Freundlichkeit; ich habe mich dort sehr wohlgefühlt.

 

Vor der Operation

Ich schreibe jetzt schon aus dem Krankenhaus. Morgen ist der grosse Tag! Das letzte Wochenende haben wir im Wesentlichen mit dem Einkaufen von Sportkleidung für die Reha und Packen verbracht. Nach dem Frühstück ging es dann ins Krankenhaus für letzte Voruntersuchungen und Vorbereitungen. Der vorerst letzte Programmpunkt heute war das Gespräch mit dem Chirurg, Professor Dr. Eckstein. Ich bin selbst erstaunt, wie gelassen ich auch jetzt noch bin. Keine Aufregung, keine Angst! Wenn alles normal läuft, kann ich mich am nächsten Wochenende wieder melden, dazwischen wird es wohl eine harte Zeit.

China – Ten Years After

Fast genau 10 Jahre nach unserem Wegzug aus China haben wir wieder einen Urlaub in China verbracht. Die ersten Eindrücke konnte ich in Beijing (Peking) gewinnen. Erst einmal war ich über die kristallklare Luft erstaunt, aber da hatten wir wohl Glück, weil es am Tag davor stark geregnet hatte. Insgesamt ist die Stadt viel bunter und lebendiger geworden. Richtig begeistert war ich vom modernen U-Bahn-Netz, damit kann man sich in der ganzen Stadt schnell und günstig bewegen; die Fahrt kostet nur 2 CNY (etwa 20 Eurocent). Dafür ist Essen im Restaurant richtig teuer geworden, das kommt schon an deutsche Preise heran.

Unsere zweite Station war Zhouzhi in der Nähe von Xi’an. Meine Schwiegereltern leben dort. Auf dem Land sieht man die Entwicklung sehr stark, die Infrastruktur hat sich rasant verbessert, überall neue Straßen und Autobahnen, aber auch gute Restaurants. Touristische Sehenswürdigkeiten sind bestens erschlossen (was sich auch in blitzsauberen Toiletten äußert), wodurch aber leider das Flair sehr leidet. Wir sind auch zum berühmten Huashan, einem der heiligen Berge Chinas, gefahren und sind dort einen halben Tag gewandert. Im Internet werden die Steige am Huashan manchmal noch als eine der “gefährlichsten Wege der Welt” beschrieben, das ist aber Vergangenheit, alles ist jetzt “amerikanisch sicher”.

Auch in Tianjin waren wir, wo wir von 1999 bis 2003 gelebt hatten. Von Beijing hat sich die Fahrzeit mit dem Zug von weit über einer Stunde auf etwa 40 Minuten verkürzt. Vieles war ganz neu, das Stadtzentrum um den Bahnhof herum ist wirklich nicht wiederzuerkennen. Beruhigend fand ich aber, dass wir auch vieles wiedergefunden haben. Zum Beispiel unsere erste Wohnung im “Guangming Guangyu”. Unser Häuschen in dieser ältesten Ausländerwohnanlage Tianjins wird allerdings jetzt als Teil eines Kindergartens genutzt. Das Meishan-Restaurant, wo uns bei einem Board-Meeting vor 12 Jahren nur warmes Bier serviert wurde, gibt es auch noch.

Insgesamt waren die 10 Tage hochinteressant und ein gelungener Urlaub. Ich werde demnächst noch ein paar Fotos einstellen.

Herzoperation

Ich habe mal meine bevorstehende Herzoperation zum Anlass genommen, einen eigenen Blog zu starten. Mein Herzfehler, eine Aortenklappeninsuffizienz 3. Grades, ist mir ja schon seit 35 Jahren bekannt. Damals, im Alter von 15 Jahren, wurde er beim Abhören im Rahmen einer sportmedizinischen Untersuchung festgestellt. Der Kardiologe hatte mir damals vorausgesagt, dass ich im Alter um die 50 eine Operation haben müsse; jetzt bin ich 51! Übrigens spüre ich den Herzfehler kaum, höchstens in der Nacht an einem doch sehr starken Puls, aber leider dehnt sich jetzt die Hauptschlagader immer weiter wegen der starken Blutströmung hinter der Klappe. Aus diesem Grund wird mir jetzt dringend zur Operation geraten. Die werde ich am 10. September im Unispital Basel vornehmen lassen.