Techblog: Pseudonetzwerkbrücke

Das Problem:
In unserer neuen Wohnung in Basel sehen wir uns mit dem Problem konfrontiert, dass der vom Internet- und IP-TV-Provider gestellte Wireless Router wegen der Lage des Glasfaseranschlusses mit allen Endgeräten drahtlos kommunizieren muss. Leider sind aber sowohl mein Desktopcomputer sowie mein Homeserver für Datensicherung und Home-Cloud nicht WLAN-fähig. Ich möchte keine LAN-Kabel durch Zimmertüren legen. Wie kann man hier vorgehen?

Eine einfache Lösung ist natürlich, Desktop-Computer und Server mit WLAN nachzurüsten, z.B. mit USB-WLAN-Dongles. Allerdings muss man diese Dongles erst mal kaufen und ich habe mich auch nicht damit beschäftigt, wie man das unter Ubuntu einrichtet. Gerade beim Server ist mir eine Kabelanbindung lieber, um sicher einen SSH-Zugriff zu haben.

Eine Netzwerkbrücke ist natürlich auch eine Lösung. Hier wird ein fehlendes Kabel mit einer Funkbrücke oder einer Kommunikation durch das Stromnetz überbrückt. Man braucht dafür aber zwei Zusatzgeräte und die müssen auch erst mal gekauft werden. Die Lösung ist einfach, schnell und stabil, aber nicht ganz billig.

Ich wollte aber gerne eine Lösung mit einem schon vorhandenen alten Router aufbauen, der als Empfangsstation in der Brücke arbeitet. Als Sendestation für die Brücke wollte ich den vom Provider bereitgestellten Router mitnutzen.

Hier fangen dann die Probleme an: Viele Router unterstützen diesen sogenannten „Bridge-Modus“, aber nicht mein alter D-Link DIR-645.

Der Lösungsversuch:
Wenn die Firmware des Routers keine Bridge unterstützt, dann muss halt die Firmware weg. Sowohl DD-WRT wie auch OpenWRT bieten alternative quelloffene Linux-basierte Betriebssysteme, die auf die meisten Router geflasht werden können. Mein DIR-645 wird allerdings nur vom letzteren unterstützt. Das Aufspielen der OpenWRT Software geht schnell und problemlos und der Router kann danach mittels Weboberfläche Luci konfiguriert werden. Dazu muss der Modus „Bridge Client“ gewählt werden. Der geflashte D-Link verbindet sich dann kabellos mit dem Hauptrouter, an dem keine Änderungen in der Konfiguration notwendig sind. An den D-Link werden dann die Endgeräte, in unserem Fall der Desktopcomputer und der Ubuntu-Server, mit LAN-Kabeln angeschlossen, weitere WLAN-Verbindungen vom D-Link sind nicht möglich. Allerdings befinden sich die am D-Link hängenden Geräte jetzt in einem eigenen Netzwerk. Ich kann zwar von dort auf die mit dem Hautrouter verbundenen Geräte zugreifen, z.B. den Smart-TY, aber von dort „sehe“ ich den Desktop und den Server nicht. Viele Stunden Bemühungen, das mit der Netzwerkkonfiguration oder Routing-Tabellen auf beiden Routern zu beheben, bleiben leider erfolglos. Die Lösung ist damit unvollständig, da ich vom Server nicht über den Hauptrouter auf den TV oder mobile Endgeräte streamen kann.

Die Lösung:
Das OpenWRT-Zusatzmodul relayd ermöglicht den Betrieb als Pseudobridge. Relayd vermittelt den Datenverkehr zwischen dem LAN-Teil des Client-Routers und der WLAN-Verbindung im gleichen Netzwerk. Der Hauptrouter kann auch den Endgeräten am Client-Router per DHCP eine IP-Adresse zuweisen. Die Aufgabe ist damit gelöst. Die Einrichtung ist allerdings nicht ganz so einfach. Ein mit dem Router verkabeltes Endgerät (in meinem Fall der Desktopcomputer) muss zunächst mit einer statischen IP-Adresse versehen werden, ansonsten ist die weitere Konfiguration nicht durchführbar. Dann wird die Brücke eingerichtet und der sekundäre Router in das WLAN des Hauptrouters eingehängt. Das Prozedere ist auf der Webseite des relayd-Moduls gut beschrieben. Der sekundäre Router hat am Ende zwei Netzwerkadressen, eine für das kombinierte Netzwerk unter Administration des Hauprouters, und eine zweite für den Standalonebetrieb (z.B. während der Konfiguration). Am Ende nicht vergessen, dass Endgerät mit der statischen IP-Adresse wieder auf dynamische IP zurückzusetzen, sonst kann es sich nicht mit dem kombinierten Netzwerk verbinden.

Die Lösung funktioniert jetzt im Prinzip. Leider ist in meinem Fall die Übertragungsgeschwindigkeit vom Server zum Smart-TV nicht sehr hoch, da der Hauptrouter nicht gleichzeitig Daten kabellos vom Server empfangen kann und Daten kabellos zum TV weiterleiten kann, denn er hat nur einen Kanal zur Datenübertragung zur Verfügung und muss daher die Geräte abwechselnd bedienen, was an der Übertragungsgeschwindigkeit nagt. Ich plane deshalb, bei Gelegenheit noch einen zweiten, noch älteren Router als Sender für die WLAN-Bridge einzusetzen.

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